Inhalt: Der Partnerschaftsring (Jumelage) der Städte Bad Homburg vor der Höhe (Deutschland), Cabourg (Frankreich), Chur (Schweiz), Mayrhofen (Österreich), Mondorf-les-Bains (Luxemburg) und Terracina (Italien) will auf dieser gemeinsamen Website über den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch berichten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Jungendaustausch im Partnerschaftsring.
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Die Churer Fussballjunioren kicken die Deutschen in Bad Homburg fast zu Boden
Die Junioren der Coca Cola League A und Elite D des Fussballclubs Chur97 haben über das Pfingstwochenende an einem internationalen Fussballturnier im deutschen Bad Homburg die silbernen Pokale gewonnen.
„Die Schweizer spielen wirklich schönen Fussball“, ist hier und dort aus deutschen Reihen zu hören. Es ist Pfingstsonntag auf der Sportanlage Am Wiesenborn in Bad Homburg-Kirdorf, Nähe Frankfurt. Und damit sind für einmal nicht etwa die Spieler der Nationalmannschaft gemeint, sondern die Junioren der Coca Cola League A und der Elite D des Fussballclubs Chur97. Aus Anlass ihres 100-Jahr-Jubiläums hat die Jugendfussball-Abteilung der Sportgemeinde Kirdorf (SGK) Bad Homburg ein internationales Pfingstturnier organisiert und Fussballjunioren ihrer Partnerstädte zur Teilnahme eingeladen. Dazu gehört auch die Stadt Chur. Und die Schweizer zeigen dieses Wochenende in Deutschland nicht nur schönen, sondern auch guten Fussball. Beide Churer Mannschaften stehen am Sonntagnachmittag nämlich im Final.
Auf Kunstrasen gegen Mädchen?
Begonnen hat das Abenteuer am Samstag am frühen Morgen in Chur. Punkt fünf Uhr besteigen Junioren, Trainer und reisewillige Familienangehörige beim Sportplatz Ringstrasse den weinroten Reisecar. Die Fahrt nach Bad Homburg dauert rund sieben Stunden - Toiletten-Stopp, Verpflegungshalt und Stau auf Autobahn Höhe Karlsruhe inklusive. Geschafft. Punkt 14 Uhr wird der Match der „Grossen“ gegen den SGK Bad Homburg angepfiffen. Gespielt werden zwei mal 18 Minuten. Resultat: 4:0 für Chur97. Nun sollen die „Kleinen“ gegen den 1. FFC Frankfurt/U12 spielen – und zwar erstmals in ihrer Karriere Elferfussball auf einem grossen Spielfeld mit grossen Toren. Damit nicht genug. Die Farbe des Rasens lässt auf Kunstrasen schliessen und die Frankfurter Mannschaft entpuppt sich gar als Mädchentruppe. Spielzeit: zwei mal 14 Minuten. Die Jungs warten, doch die Mädchen kommen nicht. Resultat: 3:0 Forfait für Chur97. Der deutsche Jugendleiter und Mitorganisator Thomas Bender kommt über den Rasen gelaufen und entschuldigt sich dafür, dass die Mädchen nicht gekommen sind. „Hat das vielleicht mit den Frauen zu tun?“ fragt Roger Danuser, Trainer der Churer D-Junioren. „Das habe ich nicht gesagt“, sagt Bender und lacht.
Drei Siege und zwei Verletzte
Bilanz des ersten Turniertages: Drei Siege für die „Grossen“, zwei Siege und eine Niederlage für die „Kleinen“, zahlreiche Blasen an den Füssen bei den „Grossen“, zwei Verletzte bei den „Kleinen“. Also rasch zum Wagen des Deutschen Roten Kreuzes, der da inmitten des Festplatzes steht. Diagnosen: angekratztes Schienbein und Verdacht auf Zehenbruch. „Gehen Sie in der Schweiz auf jeden Fall zum Röntgen“, so die Samariter. „Sie brauchen hier auch nichts zu unterschreiben und es kostet auch nichts.“ Nichts unterschreiben und kostenlos? „Wie wärs mit einem Check-up für die ganze Mannschaft?“ fragt Trainer Danuser und lacht. Derweil muntert Walter Fetz, Trainer der Coca Cola League A-Junioren, seine leicht angeschlagenen Spieler wieder auf. „Wir spielen ohne Ersatzspieler, weil zwei Spieler kein Visum erhalten haben und zwei wegen ihrer Firmung nicht mitgehen konnten“, erklärt er. Auch die „Kleinen“ haben mittlerweile nur noch einen tauglichen Ersatzspieler auf der Bank.
Braten, Spätzli und Gemüse
Doch die deutsche Gastfreundschaft lässt müde Beine schnell vergessen machen. Angeführt von Platzkassierer Rudi Gebele und seiner Frau Gabi Gebele verwöhnen zahlreiche Helfer die Gäste auch neben dem Fussballplatz. „Es ist einfach so schön, dass ihr Schweizer da seid“, freut sich Gebele. Gleich gibts Abendessen: Braten, Spätzli und Gemüse. Offeriert von der Stadt Bad Homburg. „Gott sei Dank“, sagen die Junioren. „Tagsüber gibt es ja nur Pommes.“ Danach tummeln sich die „Kleinen“ mit den „Grossen“ noch ein wenig auf den Fussballplätzen, und dann geht es in die nahe gelegene Turnhalle zur Nachtruhe. Derweil besteigen die Eltern die Taxis, um in das Hotel zu gelangen. Doch die Taxis in Bad Homburg sind nicht einfach nur Taxis. Mit piekfeinen und schnellen City Cars der Marke BMW werden rasante Fahrten durch enge Strassen zu einem Erlebnis der besonderen Art. Und das für fünf Euro.
Schweiz gegen Russland
Es ist Sonntagnachmittag. Die „Kleinen“ bestreiten ihr Finalspiel gegen den 1. FC Oberstedten – und verlieren 0:3. Es sei den Deutschen gegönnt. Bei den „Grossen“ sieht die Sache nämlich etwas anders aus. Da stehen die Deutschen gar nicht erst im Final. Schweiz gegen Russland heisst hier die Partie oder – genauer gesagt – Chur97 gegen Sportschule Peterhof. Auch das russische Peterhof, das in der Nähe von Sankt Petersburg liegt, ist eine Partnerstadt von Bad Homburg. „Hopp Schweiz“, rufen die Deutschen. „Hopp Chur“, rufen die Schweizer. Nach einem Elfmeterschiessen gehen die Russen schliesslich als Sieger hervor. Auch ihnen sei es gegönnt, haben sie doch für die Teilnahme an diesem Turnier sage und schreibe rund 40 Stunden Fahrzeit in Kauf genommen – und das in einem Linienbus.
Mit zwei silbernen Pokalen im Gepäck treten die Churer schliesslich den Rückweg an. „Unsere Junioren waren tadellos und diszipliniert“, freuen sich die Trainer Roger Danuser und Walter Fetz später im Reisecar. Die „Grossen“ haben nämlich - getreu ihres Liga-Namens – Coca Cola statt Alkohol getrunken. Und dem Ausgang haben sie kurzerhand eine Pokerrunde im Duschraum vorgezogen. Es gibt sie noch, die gute Jugend.
Reise von der Stadt Chur bezahlt
Gemäss Auskunft von Stadtpräsident Christian Boner besteht die partnerschaftliche Beziehung zwischen Chur und Bad Homburg seit 1956. Auch Städte aus Luxemburg, Frankreich, Italien und Österreich gehören zu diesem Partnerschaftsring, der in der Nachkriegszeit zum Zweck der Völkerverbindung gegründet wurde. Einmal im Jahr treffen sich die Stadtpräsidenten und Bürgermeister abwechslungsweise in einer Partnerstadt zum Austausch. Gleichzeitig finden jährlich gegenseitige Besuche von Vereinen aus Sport und Kultur in den Partnerstädten statt. An das Pfingstturnier in Bad Homburg bezahlt die Stadt Chur 4'000 Franken an die Reisekosten der Junioren des FC Chur97.
(Von Susanne Turra)
